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Pride.Bar in Müncheberg

  • vor 6 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Das Offene MOL durfte dieses Jahr das erste Mal die tolle und mittlerweile schon etablierte Pride.Bar im Café Thälmanns in Müncheberg mitveranstalten. Es werden jedes Jahr mehr Menschen, die aus Müncheberg, seinen Ortsteilen und den umliegenden Gemeinden hierherkommen und gemeinsam ein sichtbares Zeichen für ein Recht auf ein queeres und vielfältiges Leben setzen  - hier und anderswo. Dieses Jahr waren wir schon 150 Leute!


Außer Couscous und bunten Cocktails gab es ein vielfältiges Musikprogramm: Zuerst spielte die großartige Coverband „Tea For Three“ durch das offene Fenster ein Ständchen und schwenkte, als um 19 Uhr eine kleine, fiese Nazi-Demo direkt am Café Thälmanns vorbeizog, auf „Bella Ciao“ – wir haben mitgesungen und konnten die menschen-verachtenden Parolen auf der Straße daher nicht hören.


Natürlich hatten aber alle bereits mitbekommen, was sich seit Beginn des Festes auf dem Marktplatz zusammenbraute: Eine kurzfristig angemeldete Versammlung verschiedener rechtsextremer Gruppierungen unter dem Motto „SchwarzRotGold ist bunt genug“, angemeldet von den „Deutsche(n) Patrioten Voran“ (DPV), namentlich Mandy Gietz.


Mandy Gietz ist keine Unbekannte: Sie hatte bereits zwei Wochen vorher den Protest gegen den CSD in Eberswalde organisiert, war in Frankfurt gegen den CSD dabei, ist laut Polizei in der Vergangenheit mit verschiedenen Delikten strafrechtlich in Erscheinung getreten und verbrachte deswegen Anfang des Jahres auch bereits einige Monate in Haft. Außer weiteren Knallbirnen-Gruppierungen wie der „Wolfsschar“ aus Frankfurt/Oder und der sogenannten „Sektion Oderland“, die ebenfalls dem gewaltbereiten rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden, fanden sich unter den Teilnehmenden der Gegenversammlung allerdings auch kommunale Mandatsträger aus Müncheberg. Erkannt wurden ein Stadtverordneter und Kreistagsmitglied sowie ein sachkundiger Einwohner der AfD-Fraktion – Andreas Rischkau, Thomas Rothe und Uwe Flink.


Wie auch in Bad Freienwalde fand zwei Tage vor der Veranstaltung ein sogenannter „Bürgerdialog“ der AfD in Müncheberg statt, sicher kein Zufall. Wir werten dieses gemeinsame Auftreten von AfD-Funktionären und als gewaltbereit eingestuften Rechtsextremen als politisches Signal weit über den Abend hinaus – es stellt sich die Frage, wie klar sich demokratisch gewählte Vertreter von rechtsextremen Milieus tatsächlich abgrenzen. Hier geht es nicht mehr nur um eine Gegenmeinung zu einer Pride-Veranstaltung, sondern um die Frage, welche Bündnisse vor Ort sichtbar werden und welche Grenzen demokratische Parteien ziehen oder auch nicht.


Auf dem Rückweg vom Kreisverkehr an der Schule zurück zum Marktplatz durfte die ca. 20-köpfige Demo eine Kundgebung mit zwei Redebeiträgen direkt auf dem Gehweg gegenüber des Thälmanns halten – auch dieses Mal waren die Inhalte nicht zu verstehen, denn sie wurden von antifaschistischen Sprechchören übertönt. Dies war nicht nur ein deutliches Zeichen gesellschaftlicher Solidarität, sondern auch ganz konkret ein sehr empowernder Moment für die Partygesellschaft.


So ging unser Protest anschließend direkt über in das wunderbare Queeraoke-Programm von Andersartig e.V., die mit „Arschloch“ von den Ärzten gekonnt zum Tanzprogramm überleiteten. Bis 22 Uhr wurde getanzt, geredet und gelacht.


Es gibt ein queeres Hinterland – und wir freuen uns schon auf die Pride.Bar 2027!



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